Brücken über Grenzen? Grenzen unter Brücken.

“Brücken bauen” – nichts könnte eigentlich sinnbildlicher dafür stehen, Grenzen zu überwinden. Doch was uns auf unserer Reise immer wieder auffällt, ist die Funktion von Brücken als Grenzen. Besonders entlang der Sava wird uns klar, was das heißt: Ganze Städte, die früher mal eine Einheit waren und sich in einem Staat befanden, sind heute durch nur noch eine Brücke verbunden. Streng bewacht und abgezäunt natürlich – jeweils vor und hinter der Brücke befindet sich eine Grenzübergangs-Station am jeweiligen Ufer. Brücken sind hier nicht das symbolisch verbindende Element, das sie andernorts sind. Sie sind das Nadelöhr, das alle Menschen- und Fahrzeugmassen…

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Grenzen bürokratischer Ausrüstung und Bewegungsfreiheit

Da haben wir sie: Unsere eigene erste einschneidende (Staats-)Grenz-Erfahrung auf der Tour! Nicht, dass es in groesseren Gruppen nicht zu erwarten waere, dass irgendwer irgendwie geartete “falsche” Papiere dabei hat und beim Grenzuebertritt Probleme hat. Was nur verwunderte, war die Art des heute aufgetretenen Problems: Es handelte sich naemlich nicht um vergessene, verlorene oder nur noch wenige Tage gueltige Papiere auf der Seite unserer Teilnehmenden, sondern um einen unglaublichen materiellen Missstand am Grenzuebergang: Dort fehlten doch tatsaechlich die richtigen Stempel!!! Die Geschichte geht so: Am kleinen Grenzuebergang zwischen Slowenien und Kroatien in Dobova/Harmica ueberqueren diejenigen von uns, die EU-Dokumente haben,…

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Vorwahlgrenzen

So wie auch schon beim Ueberqueren der deutsch-tschechischen und der tschechisch-oesterreichischen Grenze haben wir uns auch heute wieder eine neue SIM-Karte fuer unser Tour-Mobiltelefon gekauft. Denn leider gibt es ja noch keine globalen oder EUropaeischen Mobilfunknetzwerke, die nicht an Grenzen die Preise schlagartig erhoehen wuerden und fuer die es ueberall Auflade-Nachschub gaebe. So muessen wir eben neue Karten von Land zu Land kaufen, um unsere Gebuehren wenigstens fuer Inlandsgespraeche klein zu halten und um ueberhaupt an Auflade-Bons zu kommen. Soweit, so “normal”: Heutzutage haben Staaten/Laender/Nationen eben nicht mehr nur ihre Flaggen, Hymnen und andere abstrakte Symbole, um Identifikation mit ihnen…

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Die Grenze zur Dritten Welt

Dritte-Welt-Laender: “Wo liegen die noch einmal?” Ohne die genauen Zahlen zu kennen, koennen wir wohl davon ausgehen, dass in Europa ca. 90% der Menschen auf diese Frage mit “In Afrika” antworten werden. Dabei ist einer der Urspruenge des Terminus “Dritte Welt” nicht geografisch gewesen, sondern politisch. Und an welchem Tag waere diese kleine, aber wichtige Geschichte besser zu bloggen, als heute, wo wir innerhalb von 24 Stunden sowohl auf den Boden der ersten, der zweiten und der dritten Welt betreten haben – und das sogar per Fahrrad! Denn als “Erste Welt” bezeichneten sich im kalten Krieg die (westlich-)kapitalistischen Staaten, waehrend…

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Landesgrenze = Kohlegrenze

Nicht nur sprichwoertlich kann die Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen als “Kohlegrenze” gesehen werden, weil das eine Bundesland als reicher gilt, als das andere. Nein, an der “Linealgrenze” aus dem Atlas koennte eine scharfe Klippenwand die Grenze der Braunkohletagebau-Krater markieren, wenn denn wenigestens eines der beiden Bundeslaender gegen die Foerderung waere – was durchaus in ihrer Kompetenz laege. Jedoch erlaesst weder Sachsen, noch Brandenburg einen Stopp gegen den weitraeumigen Abbau der Klimakiller-Substanz, sodass die Landesgrenze wohl auch in Zukunft genausowenig physisch sichtbar sein wird, wie sie es sein koennte, wenn eines der beiden Laender ein Zeichen setzen wuerde. Stattdessen wird diese…

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Grenzen zwischen staatlicher Souveränität und Konzern-Herrschaft

Wer sich mit globalen Fragen, Entwicklungsökonomie oder den Nord-Süd-Beziehungen beschäftigt, kennt diese zwei Aussagen seit Langem: Reichtum und Macht einiger weniger transnationaler Konzerne gehen weit über Reichtum und Macht vieler Staaten dieser Welt hinaus. Und: Vielerorts sind jene transnationalen Konzerne die Instanz, die de facto anstelle eines Staates Macht ausübt (Neo-Kolonialismus, Landgrabbing, Wasserprivatisierung, etc.). Wie der Einleitungssatz schon suggeriert: Bei diesem Phänomen denken wir gerne zuerst an einkommensschwache Gesellschaften im globalen Süden. Dass das Phänomen keine Grenzen kennt, zeigt sich uns heute bei unserer Fahrt von Proschim aus weiter Richtung Süden: Die vom Energiekonzern schon gekauften und in Beschlag genommenen Flächen…

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Sicherung gefährlicher und ungefährlicher Grenzen

Entlang unserer heutigen Route durch “Vattenfall-Country” fallen immer wieder die Schilder rechts und links am Straßenrand auf: “Achtung – Lebensgefahr!”. Die Schilder sind mit einem Piktogramm ausgestattet, dass in einer “HALT!”-Pose eine Hand entgegen streckt und den Mund warnend-schreiend aufreißt. Hier zieht sich also links und rechts der Straße eine Grenze entlang: Eine Sicherheits-Grenze, die (anscheinend) absolut lebensgefährliches (Bergbau-)Territorium von einem sicheren Boden, nämlich der Durchgangsstraße, trennt. Die Grenze besteht nur symbolisch aus ein paar kleinen Schildern, die sich alle paar hundert Meter wiederholen. Kein Zaun, keine Mauer, kein wirklicher Schutz vor dem Unheil. Später auf unserer Reise, in Kroatien und…

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Volk ohne Grenzen

Im Denken moderner Mehrheitsgesellschaften gilt seit 150 Jahren die scheinbar unanfechtbare Gleichung: Volk = Nation = (Sprache) = Staat = Grenze(n). Als wir heute mehr ueber das Volk der Sorben erfahren haben, bekamen wir eines der Beispiele dafuer zu hoeren, dass diese Gleichung nichts Gegebenes ist und die vier Faktoren unabhaengig voneinander exisitieren: Diejenigen Sorben, die sich als solches definieren, fuehlen sich einem Volk (dem Sorbischen) zugehoerig, sprechen eine damit verbundene Sprache (Sorbisch), leben in keinem sorbischen, sondern im deutschen Staat und haben um das Territorium ihres Volkes und ihrer Sprache keine Staats-Grenze.

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